Per Anhalter von Salzburg nach Maribor


 

Unsere bequeme Zeit in Salzburg war vorbei. Die Reise ging weiter.

Wir wollten Österreich verlassen und schnell Slowenien erreichen. Deshalb entschieden wir uns, von Salzburg den schnellsten Weg zu nehmen und Richtung Villach zu fahren. Villach liegt im Süden von Österreich, kurz vor der slowenischen Grenze.

Gesagt, getan. Wir beschrifteten unser Heft mit Villach, schnallten uns die Rucksäcke an und liefen los.

Glücklicherweise lag der Campingplatz nicht weit von der Autobahneinfahrt entfernt. Wir mussten also nur etwa einen Kilometer bergab gehen und schon standen wir an der Autobahneinfahrt Richtung Wien, Graz und Villach.

Wie ihr euch schon denken könnt, fuhren die meisten natürlich

Richtung Wien oder Graz.

 

 Wir waren jedoch sehr optimistisch und gut gelaunt.

Wir suchten uns den bestmöglichen Platz aus und das war kurz nach einer Verkehrsampel.

Wir dachten uns, während die Autos darauf warten, grünes Licht zu bekommen, könnten sie vielleicht ihre Meinung ändern und uns mitnehmen.

 

Und so standen wir da und unterhielten die Autofahrer während sie an der Verkehrsampel standen und darauf warteten weiterfahren zu können.

Nach einer Stunde kam ein junger Fussgänger angerannt und unterhielt sich mit uns.

 

Er fragte, wohin wir möchten und was sonst so unser Plan wäre. Er interessierte sich sehr für unsere Weltreise und gab uns den Tipp, es weiter unten zu versuchen, da es dort eine Bushaltestelle hätte und man uns besser sehen würde. Wir bedankten uns bei ihm. Er wünschte uns eine erfolgreiche Reise, verabschiedete sich und lief weiter.

Nachdem wir drei Stunden keinen Erfolg hatten, entschieden wir uns, dem Tipp des jungen Mannes zu folgen und den Standort zu wechseln.

Wir schnürten uns also die Rücksäcke erneut auf und liefen los. Da es kein Trottoir gab, konnten wir nicht der Strasse entlang laufen. Also liefen wir den Weg, den der junge Mann uns erklärt hatte. Wir waren etwas skeptisch, denn der Weg führte irgendwie in eine andere Richtung.

Fünf Minuten später sahen wir jedoch dieselbe Strasse wieder und eine grosse Kreuzung mit...

 

...EINER BUSHALTESTELLE!

 

"Perfekt!", sagten wir uns und waren wieder voller Optimismus.

Zu früh gefreut, denn zwei Stunden später standen wir immer noch an der selben Stelle.

 

Habe ich schon erwähnt, dass es an diesem Tag etwa 28 Grad warm war und wir in der prallen Sonne standen? Ja, es war verdammt heiss.

Es war der erste Tag auf unsere Reise, an dem es so richtig warm, nein heiss war. Wir wechselten uns im Abstand von etwa 10 Minuten ab und verloren so langsam unseren Optimismus und gleichzeitig auch unsere Geduld.

Die Busfahrer grüssten uns bereits, als wären wir Nachbarn. Wir hatten uns heute ja bereits schon mindestens 10mal gesehen. Aber es war ein leicht mitleidiges Grüssen. Wir bedankten uns jedesmal bei ihnen mit einem Nicken. Sie waren freundlich.

 

Irgendwann nach 17:00 Uhr hielten zwei junge Blondinen an. Wir konnten es kaum glauben. Wir dachten zuerst gar nicht, dass sie unseretwegen angehalten hatten. Also schauten wir erst nur ziemlich doof Richtung Auto. Es war ein alter Audi A3.

Es hupte und die Beifahrerin schaute aus dem Fenster und rief uns irgendwas zu.

Adriano und ich schauten uns an und sprangen gleichzeitig los.

 

Tatsächlich haben sie für uns gehalten. Wir packten all unsere Rucksäcke und Taschen in das etwas chaotische Auto und sassen uns auf die Rückbank.

Tausendmal bedankten wir uns bei den Schwestern. Sie seien unsere Rettung! Haben wir ihnen gesagt. Sie haben sich bei uns entschuldigt, da sie uns lediglich 30 Kilometer mitnehmen konnten.

Hauptsache weg von Salzburg und dieser Kreuzung, haben wir uns gedacht.

Die Richtung in die sie fuhren, war eigentlich nicht unsere geplante Richtung. Wir entschieden uns jedoch kurzerhand einen anderen Weg nach Slowenien zu nehmen 😄

Nämlich über Graz.

 

An der Raststätte Mondsee haben die Schwestern uns aussteigen lassen.

 

Sie haben uns unterwegs erzählt, was für eine schöne Landschaft es dort sei und dass sie gerne in dieser Region wohnten.

 

Es sei das erste Mal, dass sie Autostopper mitgenommen hätten, haben sie uns gesagt. Der Grund dafür sei ihre Angst.

Wir hatten Glück, dass sie und wir

zu zweit unterwegs waren, ansonsten hätten sie nicht gehalten.

 

An der Raststätte haben wir uns erst einmal auf der Toilette frisch gemacht. 

 

Nachdem wir den lieben langen Tag am Strassenrand verbracht hatten, fühlten wir uns sehr schmutzig.

Die Schwestern hatten Recht - es war wirklich eine wunderschöne Region, auch die Raststätte war sehr gepflegt und schön.

Es war mittlerweile bereits kurz vor 18:00 Uhr und wir waren ziemlich am Ende. Da die Raststätte zu Fuss von aussen erreichbar war, haben wir uns entschlossen in der näheren Umgebung bei einem Bauern nach einem kleinen Plätzchen für unser Zelt nachzufragen.

Und prompt haben wir einen netten, älteren Herr gefunden, der uns einen Fleck zur Verfügung stellte.

 

 

Wir hatten eine sehr angenehme Nacht und haben uns auf den neuen Tag gefreut. Der Optimismus war wieder da!

Nachdem wir das Zelt und unsere Rucksäcke zusammengepackt hatten, liefen wir zurück zur Raststätte. 

Kurze Zeit später hielt Arthur an. Arthur ist ein sehr freundlicher Mann mit schneeweissen Haaren. Er selbst liebt das Abenteuer. So auch das kleine Abenteuer mit uns.

 

 Während der Fahrt erzählte uns Arthur von seinen Reisen nach Pakistan und wie er per Autostopp in einem Lastwagen in die Türkei fuhr.

Wir unterhielten uns über Musik und er zeigte uns seinen Lieblingssong.

Sagen wir es einmal so, Adriano und Arthur waren sich im Musikgeschmack ziemlich einig, was mir nicht wirklich entgegenkam.

Es war jedoch aushaltbar 😉

 

Arthur fuhr uns bis kurz vor die Stadt Graz und liess uns an einer

Raststätte aussteigen.

Er wünschte uns viel

Spass auf unserer Reise und

verabschiedete sich.

 

Auch an dieser Raststätte warteten wir nicht lange.

Ein weisser Lieferwagen mit einem deutschen Kennzeichen hielt an. Aus Hamburg. Im Lieferwagen sassen drei Männern, die unterwegs nach Kroatien waren. Wir hatten kaum Platz und wir hatten deswegen ein schlechtes Gewissen. Sie hatten einen langen Weg hinter und auch vor sich.

Der Fahrer erzählte uns von seinen zwei Kindern. Wie stolz er uns erzählte von seinem Sohn, der bereits die Schule besuchte. Von seiner Tochter, die erst laufen gelernt hatte. Er möchte nur das beste für seine Kinder, arbeitet um ihnen einmal eine gute Ausbildung und eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

Wir waren sprachlos. Der Mann war so selbstlos und doch wusste er genau, was er will.

Die drei Männer fuhren uns bis zur Raststätte kurz vor der slowenischen Grenze.

 

Von dort aus konnten wir mit einem Kroaten mitfahren. Er arbeitet in Österreich und hat sich kürzlich von seiner Frau getrennt. Er war sehr freundlich und offen. Seine Geschichte wollte er mit uns teilen und erzählte sie uns detailgenau. Es war interessant, aber irgendwie auch sehr traurig.

Zeit habe er genug, das hatte er uns mehrmals gesagt. So hatte er auch Zeit uns bis zum Campingplatz in Maribor zu fahren (Dieser liegt etwa 10min weit weg von der Autobahn). Wir waren ihm sehr dankbar dafür. Er stieg mit uns aus und half uns, die Rucksäcke aus dem Auto zu heben und bedankte sich ganz herzlich für die tiefgründigen Gespräche.

 

Wir verabschiedeten uns und liefen zur Rezeption des Campingplatzes.

 


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