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Die Kravica Wasserfälle in Bosnien und Herzegowina


Zeit Mostar zu verlassen

Nach ein paar erholsamen Tagen in der wunderschönen Stadt Mostar geht die Reise für uns weiter. Es fällt uns ein wenig schwer, diese Stadt und vor allem auch unsere gemütliche Airbnb Wohnung zu verlassen. Wir hatten eine tolle Zeit in Mostar und es war der perfekte Ort, Fabienne`s Geburtstag zu feiern. 

 

Brücke in Mostar

Wir haben das Paradies gefunden!

08:00 Uhr, der Wecker klingelt. Ich drehe mich zu Fabienne und frage sie, wie es ihr heute geht. Während der Zeit in Mostar hatte sie sich etwas eingefangen und war dadurch nicht wirklich fit.
"Naja, ging mir schon besser! Ich freue mich aber, weiterzureisen", sagt sie.

Wir machen uns Kaffee, stärken uns mit einem Müsli und packen unsere Rucksäcke. Die nette Gastgeberin holt uns ab, fährt uns ausserhalb der Stadt und lädt uns sogar noch zum Kaffee ein.

Der Kaffee scheint zu wirken - Fabienne sieht plötzlich wieder fitter aus. 

Wir verabschieden uns und bedanken uns nochmals bei unserer Gastgeberin.


Wir stellen uns an die Strasse und wie immer, wenn wir länger an einem Ort bleiben, fällt es uns nicht leicht, die Motivation und den Mut zum Trampen zu finden. Aus Erfahrung wissen wir aber, dass dieses Gefühl vergeht, sobald die erste Mitfahrgelegenheit anhält.
Seit wir in Bosnien und Herzegowina sind, ist das Trampen zum Kinderspiel geworden. So auch heute, es vergehen etwa 10 Minuten und schon sitzen wir im ersten Auto. Ein netter Herr nimmt uns mit nach Čapljina, eine grössere Gemeinde mit rund 28`000 Einwohnern. (Nicht zu verwechseln mit dem Bündner Dorf Tschappina, mit rund 130 Einwohnern 😉)

 

Trampen im Balkan

 

In Çapljina versuchen wir es weiter. Es ist heiss, sogar sehr heiss. Aber auch dieses Mal hat sich unser Glück nicht verabschiedet. Ein älterer Mann mit einem alten Lada hält an.
"Kravica?", fragen wir ihn.
"Da, da!", antwortet er.
Ich quetsche mich mit unseren Rucksäcken auf die sehr kleine Rückbank und Fabienne nimmt neben dem Herrn Platz.

 

Das Auto stinkt nach Öl, raucht und macht einen unglaublichen Lärm. 
Uns gefällts! Wir haben unseren Spass!

Der Eingang zum "Park" oder besser gesagt zu den Wasserfällen, befindet sich ungefähr 10 km von der Hauptstrasse entfernt. Der nette Herr im Lada fährt uns ohne weiteres bis zum Eingang.
Wir steigen aus - ich renke mir alles wieder ein und wir bedanken uns.
Der Mann erklärt uns, er müsse schnell wieder wegfahren, ansonsten sei der ganze Boden voller Öl, denn der Lada hat seine besten Tage längst hinter sich.

 

Lada per Anhalter

 

Wir können das tosende Wasser bereits hören! Wir spazieren an allen Souvenirständen vorbei und begeben uns zur Kasse.

 

Wir bezahlen eine Eintrittsgebühr von Fr. 4.- pro Person und machen uns auf den Weg zu den Wasserfällen. 


Um die Wasserfälle zu erreichen, gibt es zwei Optionen.
1. Man geht ungefähr 10 Minuten zu Fuss eine Treppe hinunter.
2. Man wartet auf den Shuttletraktor, der die Besucher nach unten fährt.

Wir entscheiden uns für Option 1 und kommen, dank unseren schweren Rucksäcken, total verschwitzt bei den Wasserfällen an.
Die Anstrengung ist jedoch sofort wieder vergessen als wir die Wasserfälle entdecken.
So etwas Schönes haben wir selten gesehen!

Wir sind verliebt! 

Viele haben uns erzählt, dass es schön ist - dass es uns aber gleich aus den Socken haut, damit hätten wir nicht gerechnet.

Kravica Wasserfälle


Wir stellen unsere Rucksäcke ab und bestellen uns eine Limonade.
Es gibt zwei Restaurants mit allerlei Getränken, Pizza, Spaghetti und verschiedenen Snacks.

Was wir uns jedoch fragen ist, wo eigentlich dieser Campingplatz sein soll?

Im Internet haben wir nach einem Campingplatz gesucht und haben eine einzige Rezension von einem Campingplatz auf Google gefunden.

 

Wir fragen die Bediehnung. "Campingplatz?", schaut sie uns verwirrt an.
"Einen Campingplatz gibt es hier nicht. Hier ist das Campieren verboten!"

Na toll! Wir verstehen die Welt nicht mehr. 

"Was sollen wir tun?", fragt mich Fabienne.
"Keine Ahnung. Um weiterzureisen ist es zu spät und ich würde eigentlich noch gerne länger hier bleiben. Komm, wir fragen mal beim anderen Restaurant nach," antworte ich ihr.

Siehe da, ein anderer Mitarbeiter sagt uns wir sollen zum Mann auf dem Boot gehen.

Also gehen wir zum Mann auf dem Boot. Als er uns sieht, ruft er uns bereits von weitem zu: "Where are you from?"
Wir antworten: "Switzerland, and you"?
Er lächelt, kommt näher und sagt:" Jo, denn kömmer au uf Schwizerdütsch reda!" 
Übersetzt: Ja, dann können wir uns auch auf Schweizerdeutsch unterhalten!

Wir müssen alle lachen und können es kaum glauben. Wir fragen ihn, was er denn hier mache. 

Er erzählt uns, dass er hier aufgewachsen ist und während des Krieges, als kleiner Junge nach Liechtenstein geflohen ist. Seit ein paar Jahren kommt er im Sommer nach Bosnien und Herzegowina und möchte hier bei den Kravica Wasserfällen einen Campingplatz aufbauen.

 

Wir können unser Glück kaum glauben und freuen uns wahnsinnig darüber, hier bleiben zu dürfen.

Unser Freund aus Liechtenstein verrät uns, wo wir unser Zelt aufstellen können und sagt: "Da es noch kein offizieller Campingplatz ist, müsst ihr natürlich nichts bezahlen und könnt bleiben, so lange ihr wollt!"
Wir bedanken uns und bauen unser Zelt mit einem Lächeln im Gesicht auf.

 

"Jetzt aber - nichts wie ab ins Wasser!"

Wir ziehen unsere Badesachen an und stürmen zurück zu den Wasserfällen.

"Es ist mir aber zu kalt, um schwimmen zu gehen!", bibbert Fabienne.
War ja klar, wer Fabienne kennt, weiss, dass es ihr schnell mal zu kalt und zu nass ist.

"Phuu, es ist wirklich kalt!", rufe ich ihr zu.
Naja, jetzt oder nie - ich hole Anlauf und springe!

 


Nach dem ersten Schock kommt die Erfrischung. "Komm rein, das Wasser ist herrlich!", rufe ich Fabienne zu. "Nein, schon gut!", lächelt sie mich an.

Ich schwimme in Richtung Wasserfall und plötzlich überfällt mich ein Gefühl der Freiheit. Ein wunderschöner Moment. Als wäre es der Dank für die vielen Stunden, die wir am Strassenrand gewartet haben, bis uns jemand mitnahm.

Nach dem "Plantschen" schlendern wir zurück zum Zelt. Es steht direkt neben einem Fluss, indem wir Frösche, Libellen und sogar Schlangen beobachten können.

Wir kochen uns etwas zum Abendessen und legen uns schlafen. 
Wir schauen uns an und denken beide das Gleiche:
Was für ein wunderschöner Tag. 
"Gute Nacht!"

 

Am nächsten Tag packen wir unsere sieben Sachen zusammen, kämpfen uns mit den schweren Rucksäcken den Hang wieder hoch und verlassen den Park.

"Wenn wir Pech haben, laufen wir jetzt ungefähr 10 km bis uns jemand mitnimmt!", sage ich zu Fabienne.

Aber auch dieses Mal haben wir kein Pech. Ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen nimmt uns mit bis in die nächste Stadt. Von dort aus geht es für uns weiter in Richtung Albanien. Wir sind gespannt, was uns noch erwartet.


Eine kleine Geschichte zum Schluss:
"Mala Kravica", so heisst der Wasserfall und bedeutet nichts anderes als "kleine Kuh". 
Der Legende zufolge, wurden die Wasserfälle früher hauptsächlich von Bauern besucht, um die Kuhherde dort trinken zu lassen. Eines Tages fiel eine junge Kuh ins Wasser und kugelte die gesamten Wasserfälle hinunter. Glücklicherweise überlebte sie den Sturz.

Diese Geschichte wurde in der ganzen Gegend herum erzählt, sodass, wenn es um diesen Wasserfall ging, immer gesagt wurde: Dort, wo die junge Kuh ins Wasser fiel.
So entstand der Name dieses wunderschönen Wasserfalls.

 

Kravica Wasserfälle

Unser Vlog dazu:

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